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Ostern trotz Kirchenkrise

Kommentar von Stefan Staub, Diakon und Pfarreileiter

 

Die Kirche steckt in einer fundamentalen Glaubwürdigkeitskrise. Die Skandale in den eigenen Reihen reissen nicht ab. Es kommt mir vor, als ob ein Wall gebrochen ist. Was nie hätte sein dürfen, nämlich dass Gottesmänner anvertrautes Leben missbrauchen, kommt schonungslos an die Oberfläche. Unterdrückte Sexualität entlädt sich – an der schwächsten Stelle; bei Kindern, aber auch an jungen Ordensschwestern, wie gut recherchierte Berichte des Senders „Arte“ aufdecken. Als ob das Schändliche dieser Taten System hätte, kommt Missbrauch in Kirchenkreisen rund um den Globus vor. Dass sich Kirchenaustritte deswegen häufen, erstaunt überhaupt nicht. Die Amtskirche hat ihre Glaubwürdigkeit in weiten Teilen verloren. Der Sinn des Pflichtzölibates schwindet mit jedem neuen Skandal. Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger der Kirche fordern ein Aufarbeiten und Korrigieren der kirchlichen Strukturen und Amtstraditionen, welche in der heutigen Zeit nicht mehr greifen. 
Vielleicht fragen Sie sich – und das zu Recht – was haben diese Zeilen mit Ostern zu tun? Ich denke, sehr viel!  Die Kirche ist unten angekommen. Es kann nur besser werden. Aber nur, wenn man nun offen über kirchliche Tabuthemen spricht, wie Sexualität und Kirchenstruktur. Es ist Karfreitag für die Kirche. Ostern für die Kirche könnte heissen, dass die Leitung die Zeit der „Grabesruhe“ (die Tage zwischen Karfreitag und Ostern) sinnbildlich nutzt und ehrlich über die Bücher geht, wie sie‘s halten will mit Pflichtzölibat, der Stellung der Frau und ihrer Amtsführung. Ostern in der Kirche wäre ein neuer, geistvoller Wind, in dem die Kirche die Menschen wieder zu berühren vermag und die Botschaft Jesu wieder höher schätzt als das kirchliche Amt. Zurück zu den Wurzeln ist kein Slogan, sondern der einzige Weg der Kirche, um aufzustehen aus dem Sumpf von Macht und Missbrauch. Eine mühsame und schwer zu ertragener Arbeit für die ganze Kirche. Wir brauchen Ostern dringend – in der Welt (wenn wir an die jüngsten Anschläge in Christchurch und Utrecht denken) und ebenso sehr in der Kirche! Hängen Sie nicht ab, sondern hängen Sie ein vereint im Kampf – und auch im ehrlichen Gebet - für eine glaubwürdige, liebende und geschwisterliche Kirche Jesu Christi inmitten der zerrissenen Welt von heute!



Teufen-Bühler-Stein, vor Ostern 2019

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