„Klick“ in die Zukunft – Blick zurück

Ein Blick in die Vergangenheit ist ebenfalls aufschlussreich. Die Pfarrei Teufen-Bühler, wie sie sich heute präsentiert, ist nicht als gottgegeben vom Himmel gefallen. Am Anfang der Pfarrei standen engagierte Persönlichkeiten, die sich für ihre Glaubensgemeinschaft mit Beharrlichkeit stark machten.

Eine Pfarrei entsteht

Vom Willen der Teufener zur eigenen Pfarrei zeugt ein Schriftstück aus dem 15. Jahrhundert, in dem die Bürger der wachsenden Gemeinde an den Abt Ulrich VII. gelangen mit der Bitte um eine eigene Pfarrkirche:

niemand zu leid, sondern […] allein zu Lob und Ere Gott dem Allmächtigen, siner himmlischen Muoter Maria und allen sinen Hailigen und zu Hilff und Trost […] allen kristglöbigen Seelen.

Teufens Bürger, Bitte an den Abt Ulrich VII

Insbesondere mit Gebrechlichen, Kranken und Täuflingen war der Fussweg von Teufen zu den Kirchen St. Georgen und St. Laurenzen auf Dauer zu beschwerlich geworden:

[wenn] einem Menschen in der Nacht we[h] wirt, dass mir müssent […über] Berg und Tal loffen, umb die Priester mit den Sakramenten u. so wir zur Stadt komment, so ist das Tor beschlossen und müssent lang und vil rüeffen, e[h] man uns höre […] und so wir [schliesslich] in die Statt komment, so wisst uns ain Priester zu den andern, […bis] wir ainen vindent, der uns versehe.


Das Gesuch wurde abgelehnt, doch die Teufener blieben beharrlich, bis sie zwei Jahre später ihren Willen bekamen. Am 24. Juli 1479 wurde die Gründung der Pfarrgemeinde Teufen genehmigt und dem Bau einer Kirche zugestimmt.

 

Ein Kanton wird gespalten

Ein knappes Jahrhundert später folgte die unruhige Zeit der Reformation. Eine wichtige Persönlichkeit dieser Ära war der Teufener Pfarrer Jakob Schurtanner. Mit Vadian eng befreundet, von Zwingli bewundert, forderte auch er die radikale Erneuerung des Glaubens.

Die Glaubensspaltung führte schliesslich zur Aufteilung des Kantons Appenzell in zwei Halbkantone. Die Landsgemeinde, welche die Teilungsurkunde genehmigte, fand am 7. September 1597 in Teufen statt. Auch nach der Landesteilung war Teufen wiederholt Schauplatz erregter Volksversammlungen und lebhafter Landsgemeinden.

Die Katholiken verliessen das ausserrhodische Gebiet oder blieben ihrer Konfession im Verborgenen treu. Die enge Verbindung der Teufener zum nahe gelegenen Klösterchen Wonnenstein, welches katholische Enklave wurde, ist bezeugt.

Die Teufener Pfarrkirche blieb unter protestantischer Führung bestehen bis 1776 (Bau der heutigen Grubenmann-Kirche).

Rückkehr und Wiederaufbau

Noch im Jahre 1832 gab es in Appenzell Ausserrhoden kein Niederlassungsrecht für Katholiken. Die Bundesverfassung von 1848 garantierte den Schweizern unabhängig von ihrer Konfession landesweite Niederlassungsfreiheit, welche mit zehnjähriger Verzögerung auch den Katholiken in Ausserrhoden gewährt wurde.

Jetzt begann das grosse Hin- und Herziehen, Katholiken liessen sich in protestantischen Gegenden und Protestanten in katholischen Gegenden nieder. Nun musste auch die Seelsorge der Katholiken in protestantischen Orten wieder geregelt werden.
So kam es, dass sich die Teufener katholischen Glaubens vierhundert Jahre nach der Gründung ihrer Pfarrei erneut organisieren mussten, um ihren eigenen Seelsorger und ihren eigenen Gottesdienst zu bekommen. Sie stellten Gesuche und sammelten über Jahrzehnte fleissig Geld für den Aufbau einer katholischen Kirchgemeinde.

1891 wurde die katholische Missionsstation gegründet und 1895 der Bau einer Kirche im neugotischen Stil aufgenommen.

Gute Nachbarn

1971 beschloss die Kirchgemeinde einen Neubau im Stofel. Die neugotische Kirche war stark sanierungsbedürftig und ihr Standort aufgrund der neuen Umfahrungsstrasse ungünstig geworden. Die alte Kirche wurde abgerissen und die Glocken neu gestimmt, damit sie mit dem Geläute der evangelischen Kirche besser harmonieren.

1976 wurde der moderne, grosszügige Bau des Pfarreizentrums im Stofel fertiggestellt. Bis dahin hatte die katholische Pfarrgemeinde während viereinhalb Jahren die Sonntagsgottesdienste in der evangelischen Grubenmann-Kirche feiern dürfen. Nach der konfliktbeladenen Vergangenheit ein starkes Zeichen für ein gut nachbarschaftliches Verhältnis der beiden Konfessionen.

Der offene „Blick“ über den Tellerrand wird nun erweitert durch den „Klick“ ins Kommunikationsnetzwerk der grossen weiten Welt…

W. Reinhardt
Quellen: Aufzeichnungen des Missionspfarrers Alois Götte (1898), in der Abschrift von Berta Stieger; Festschrift zur Einweihung der Johannes-Kirche in Teufen (1976).

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