Gewalt ist nie stärker

Macht ist überall Thema. Politische Macht. Wirtschaftliche Macht. Militärische Macht. Und manchmal auch religiöse Macht. Macht an sich ist nichts Schlechtes. Ohne Macht gibt es keinen Staat. Und ohne Macht fühlt sich niemand verantwortlich: keine Regierung, keine Institution, keine Pfarrei. Die meisten von uns üben irgendwann Funktionen aus, die mit Macht zu tun haben. Aber entscheidend ist die Frage: Was macht die Macht mit dem Menschen, der sie ausübt?

Die kann Verantwortung stärken – oder sie kann in Hybris kippen, in masslose Selbstüberschätzung. Und wohin das führt, wissen wir aus der Geschichte nur zu gut. Jesus wurde Opfer der Macht.Jedes Kreuz erinnert daran, dass es den Karfreitag gab: den Tag, an dem Jesus aufgrund einer Intrige geopfert wurde, damit andere ihre Macht sichern konnten. Wenn der Mensch sich selbst zum höchsten Massstab macht, wenn es nichts mehr gibt, was ihn relativiert – keine grössere Wirklichkeit, keine Verantwortung vor etwas Höherem –, dann beginnt Macht sich selbst zu feiern.

Macht ohne Transzendenz wird diabolisch. Das ist nicht bloss Geschichte. Das ist Gegenwart.
Aber Ostern setzt einen anderen Akzent: Die Mächtigen konnten Jesus töten – doch sie konnten das Leben nicht besiegen. Die Geschichte zeigt es immer wieder: Despoten erscheinen unantastbar. Doch früher oder später stolpern sie über ihre eigene Hybris. Keine Macht der Welt ist ewig. Ostern sagt klar: am Ende hat nicht die Macht das letzte Wort, sondern das Leben. Nicht Zynismus und Gewalt bestimmen die Zukunft, sondern eine Wirklichkeit, die weit über diese Welt hinausreicht – und die kein Mensch und keine Macht zerstören kann.